Garfields wilde Brüder sind zurück

Die Wildkatze ist hierzulande vom Aussterben bedroht und Artenschützer unternehmen große Anstrengungen, sie zu schützen.

von Bianka Karreman, Denise Leitenmayer und Pauline Meyer

Jeder kennt ihn, den dicken roten Kater Garfield, der nichts mehr liebt als Lasagne und durch seine Filme und Comics weltweit bekannt wurde. Dass neben unserer zahmen Hauskatze auch noch eine andere, die Europäische Wildkatze, durch die Gegend streift, weiß auch fast jeder. Was allerdings die wenigsten wissen: die Wildkatze ist hier vom Aussterben bedroht und Artenschützer unternehmen große Anstrengungen, sie zu schützen.

Dabei sollte man zunächst einmal mit einem Gerücht aufräumen, nämlich, dass die Garfields in unseren Vorgärten, also die Hauskatze, direkt von der Europäischen Wildkatze Felis silvestris silvestris abstammt. Der direkte Vorfahre ist Felis silvestris lybica, die Afrikanische Wildkatze – auch „Falbkatze“ genannt. Sie unterscheidet sich hauptsächlich durch ihr Aussehen von der europäischen Art, allerdings ist, wie der Name schon vermuten lässt, die Heimat wohl der größte Unterscheidungspunkt.
Die Europäische Wildkatze ist allerdings schon lange nicht mehr in ganz Europa unterwegs, da durch Waldrodung, Siedlungsbau und Forstwirtschaft immer mehr Lebensraum schwand. Vor allem in Deutschland wird sie daher stark geschützt und ihre Rückwanderung aus unteranderem Frankreich gefördert. In Baden-Württemberg zum Beispiel, wo sie seit 1912 als ausgestorben galt, wird nun endlich gehandelt. Als erste Maßnahme wird ein Biotopverbund eingerichtet, das bedeutet, dass durch Pflanzungen und Grünbrücken Waldgebiete wieder verknüpft werden. Das ist wichtig, da die Wildkatze normal sehr weit wandert, allerdings zu scheu ist, um Straßen zu überqueren oder Siedlungen zu durchkreuzen. Die neuen Korridore verringern außerdem die Unfallgefahr durch den Straßenverkehr, so bekommen die Wildkatzen die Chance sich wieder auszubreiten.

Es ist jedoch nicht nur wichtig, dass die Waldflächen für die Wildkatze und untereinander verbunden sind. Sie sollten außerdem möglichst ungestört sein. Abgeholzte und abtransportierte Bäume etwa können dem Tier keinen Lebensraum mehr bieten. Außerdem scheuchen die Eingriffe sie immer wieder auf. Es fehlt an Ruhe und Unterschlupfmöglichkeiten. Diese braucht die Wildkatze, aber nicht zuletzt um ihre Jungen großziehen zu können. Besonders geeignet dafür ist Totholz, also abgestorbenes Holz, das einfach liegen bleibt und nicht etwa durch Waldarbeiter beseitigt wird. Darin finden nicht nur Katzen, sondern auch Eulen, Insekten und viele andere Tiere ein Zuhause.
Dadurch entstehen zwar kleine Verluste für die Holzindustrie, da das morsche Holz nicht für industrielle Zwecke genutzt werden kann, doch sollte man diese in Kauf nehmen, da der Gewinn an Lebensqualität für die Tiere enorm ist. Die Wildkatze braucht außerdem kleine helle Lichtungen für die Jagd auf Mäuse und andere Kleintiere. Sie geht vor allem in der Dämmerung jagen. Dabei helfen ihr Abschnitte mit undurchdringlichem Dickicht, von dem aus sie sich unentdeckt anschleichen kann. Zum Ausruhen nach der Jagd wiederrum legt sie sich gerne auf Wiesen mit Südhanglage in die Sonne.

Naturschutzorganisationen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kaufen, tauschen und erhalten gezielt bestimmte Waldflächen und schützen so seit über zwölf Jahren in Baden-Württemberg und seit über 20 Jahren auf Bundesebene die Europäische Wildkatze. Durch Jahrhunderte währende Abholzung sind nur noch 30 Prozent der ursprünglichen deutschen Waldfläche vorhanden, viele Gebiete sind derart voneinander getrennt, dass kein großflächiges Habitat mehr vorhanden ist. Und Totholz wird nur in ganz wenigen, ökologisch wertvollen Flächen liegen gelassen. So gibt es noch viel zu tun, um wenigstens die verbliebenen Areale zu erhalten und zugunsten der Wildkatze aufzuwerten.

In Rheinland-Pfalz ist der Bienwald eine gute Adresse, um sich die Schutzbemühungen live anzusehen. Bei dem Projekt, das von Chance.Natur gefördert wird, wollen die Mitarbeiter einen Sekundärwald wieder in einen Urwald verwandeln und so Lebensraum für verschollene Tierarten schaffen. In verschiedensten ökologischen Abschnitten-, wie Auen-, Nadel-, Bruch- und Sumpfwäldern, unterschiedlichen Gewässer-, Wiesen und Moorlandschaften haben Tiere schon heute wieder eine neue Heimat gefunden. Die nahezu unberührten Waldgebiete, die im Kern des Bienwalds sind, bieten Totholz und andere Unterschlupfmöglichkeiten, sodass Wildkatzen dort leben können. Durch Biotopverbände wollen die Naturschützer aus dem Bienwald möglichst bald auch wieder ein Wildkatzenrevier machen und ihnen wieder ein gesichertes Zuhause in Deutschland bieten.
Auch der neue Nationalpark Schwarzwald bietet schon heute einen großen Lebensraum in Baden-Württemberg und kann durch Biotopverbände hoffentlich schon bald die zurückeroberte Heimat von Garfields wilden Brüdern werden. Grünbrücken und Wanderkorridore könnten ihnen helfen, in neue Gebiete zu gelangen, allerdings müssen diese erst gebaut werden. „So könnte man einen direkten Weg vom Nationalpark Schwarzwald zum Bienwald einrichten, was allerdings noch einige Zeit braucht und viele Unterstützer benötigt“ (Herr Carol Satka).

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