An meine Haut lasse ich nur Wasser und Chemie!

Über Schüler, die selbst überwachen, ob sie Hausaufgaben machen und Lehrer, die nur schauen, ob das Papier sauber ist.

von Hannah Liepert und Jessica Di Giorgi

Jeder nutzt sie, jeder braucht sie: Wimperntusche, Cremes, Deodorant… Wir wollten genau wissen, welche Produkte zur Körperpflege Jugendliche am häufigsten benutzen. Unsere Umfrage bei 40 Mitschülerinnen und 30 Mitschülern zeigte: Shampoo, Spülung und Deos nutzen Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren fast jeden Tag. „Jemand sorgt schon dafür, dass alles unbedenklich ist, was wir ganz nah an uns ranlassen“, so die Aussage vieler Schülerinnen und Schüler auf unsere Frage, ob sie auf Inhaltsstoffe achten. Aber stimmt das denn auch? Sorgt sich jemand um bedenkliche Stoffe in Kosmetika? Die Kosmetikverordnung der Europäischen Union schreibt vor, dass die Hersteller selbst die gesundheitliche Unbedenklichkeit seiner Produkte vor der Vermarktung feststellen und bescheinigen müssen. Behördlich überwacht werden nur die Hygiene-Verordnungen.

Wir stellen uns vor: Schüler, die selbst überwachen, ob sie  Hausaufgaben machen und Lehrer, die nur schauen, ob das Papier sauber ist?

Aluminium und Pilzgift im Deo

Vor einigen Jahren wurde die Unverträglichkeit von Aluminium in Deodorants auf unserer Haut nachgewiesen. Die Aluminiumverbindungen „Aluminiumchlorhydrat“ und „Aluminium-Zirkonium“ bewirken eine Verengung der Schweißporen der Haut. Nun scheinen sich Befürchtungen als wahr zu entpuppen, dass Aluminium krebserregend ist und neurotoxische Eigenschaften haben kann. Es wird vermutet, dass es sich sogar auf den Hormonhaushalt auswirkt.
Diese negativen Eigenschaften von Aluminium teilen auch Parabene, die in Deodorants und Haarpflegemitteln enthalten sind. Parabene sind chemisch betrachtet Ester der para-Hydroxybenzoesäure. Sie haben antimikrobielle und fungizide Wirkung und werden deswegen in der pharmazeutischen Industrie, in Kosmetika und selbst in bestimmten Lebensmitteln umfänglich als Konservierungsmittel eingesetzt. Parabene und Aluminium – Unbedenklich?

Fugendichtmasse und Weichmacher im Shampoo

„Ohne Silikone!“, das steht auf vielen Shampoos. Offensichtlich gibt es also so häufig Fugendichtmasse in Haarwaschmitteln, dass es eine erwähnenswerte Ausnahme ist, wenn ein Hersteller darauf verzichtet. Was bewirken Silikone und weshalb gibt es Produkte, die keine haben? Polyorganosiloxane, das sind synthetischer Polymere, bei denen Siliziumatome über Sauerstoffatome verknüpft sind. Im Shampoo angewendet, schließt sich das Silikon um das Haar, damit werden die Haare glänzend, kämmbar und glatt. Silikone sind nicht wasserlöslich und werden durch die nächste Dusche nur teilweise entfernt. Durch weitere Benutzung reichert sich das Silikon auf dem Haar an. Die gewünschte Wirkung tritt deswegen „nur bei regelmäßiger Nutzung ein“, so die Werbeversprechen der Industrie.
Silikone versiegeln die Kopfhaut. Die Kopfhaut dient dem Körper aber als wichtiges Ausscheidungsorgan von Giften und anderen Schadstoffen. Durch die Versiegelung ist die Haut dazu gezwungen, die Stoffe an anderen Stellen auszuleiten, was den Körper belastet. Da Körperlotionen oder Feuchtigkeitscremes auch Silikone enthalten, ist oft auch an diesen Stellen die Haut verschlossen. Dem Körper bleibt keine andere Wahl, als die Giftstoffe anzureichern. Das kann chronische Krankheiten wie zum Beispiel Neurodermitis oder Allergien hervorrufen.
Abgesehen von Silikonen gibt es noch zahlreiche andere Stoffe in Haarpflegemitteln, wie Diethanolamin (DEA) oder Triethanolamin (TEA). Sie werden als Feuchthaltemittel und Weichmacher eingesetzt. In Verbindung mit anderen Stoffen können sie krebserregende Nitrosamine bilden, von denen man fürchtet, dass sie innere Organe wie Leber und Nieren angreifen. Diese Liste kann man ewig weiterführen. Die Umweltauswirkungen all dieser Stoffe sind zudem noch nicht ausreichend erforscht. Viele werden in Kläranlagen nicht aufgehalten und gelangen ungehindert in Flüsse und Seen. Was sie dort in den Nahrungsketten anrichten, ist kaum bekannt.

Produkte zur Körperpflege sind nicht unbedenklich! Auf Inhaltsstoffe achten!

Stoffe in Körperpflegeprodukten sind also nicht „unbedenklich“. Hersteller dürfen seit 2013 für Kosmetika keine Tierversuche mehr durchführen. Gut so! Zwar sollte man meinen, dass deswegen auch nur wirklich sichere Stoffe verwendet werden. Stattdessen dienen wir Verbraucher der Kosmetikindustrie als Versuchskaninchen in einem großen Freilandversuch. Und das nicht einmal aus Kostengründen: Das Magazin Ökotest entlarvt regelmäßig die Hersteller von Premiumprodukten als größte Verwender bedenklicher Stoffe. Die Lösung für uns und unsere Mitschülerinnen und Mitschüler? Möglichst wenig Chemie auf Haut und Haare lassen, umsteigen auf Naturkosmetik. Drogeriemarktketten haben inzwischen preisgünstige Naturkosmetik-Produktlinien und Ökotest hat gezeigt, dass günstige Produkte von Discountern oft ohne gefährliche Zusatzstoffe auskommen, die oft den Preis in die Höhe treiben. Am Ende bleibt trotzdem nur, sich selbst gut zu informieren und möglichst wenig Chemie an den Körper zu lassen.

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