Erste Nerzkinder in Deutschland seit 90 Jahren – Kleiner Jäger in edlem Pelz kehrt zurück

Die Begeisterung war in diesem Sommer groß in der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM): Projektleiterin Eva Lührs fand die ersten in Freiheit geborenen Nerze seit 90 Jahren.

von Lara H.
Nerz hochformat

Der Nerz: weltweit bedroht.

Panzernashorn, Orang Utan oder Flussdelfin teilen sein Leid: Der Nerz gehört weltweit zu den am stärksten gefährdeten Arten. Sein schöner Pelz wurde ihm schon vor 100 Jahren zum Verhängnis. Noch in den 1920er-Jahren fingen russische Jäger jährlich 50.000 Tiere, um aus ihren Fellen Mäntel und Jacken zu fertigen. So sanken die Bestände europaweit stark, in Deutschland gilt der Europäische Nerz seit 1925 als ausgestorben. Die intensive Nutzung der Landschaft tut heute ein übriges, dem Nerz das Leben in Europa schwer zu machen. Er ist eigentlich ein Wassertier und lebt an Flüssen, an Seen oder Bächen und in Sümpfen. Flüsse wurden begradigt und Feuchtgebiete für die Landwirtschaft trocken gelegt. Auch der Bau von Kraftwerken und die Verschmutzung der Gewässer trugen dazu bei, dass diese heimlich lebende Tierart in Europa immer seltener wird. Nerze sind Einzelgänger und streng territorial, aber sonst nicht anspruchsvoll. Der kleine, flinke Jäger frisst kleine Nagetiere, Frösche, Vögel, Fische und Krebse.

Im Sommer 2010 entschloss sich die ÖSSM, ein Wiederansiedlungs-Projekt für den Europäischen Nerz zu starten. Die ersten sieben Nerze aus Erhaltungszucht in deutschen Zoos kamen schon im Mai/Juni 2010 am Steinhuder Meer an. Viel Pionierarbeit war notwendig mit den wertvollen Tieren. „Die Nerze werden in einer Transportkiste an ihren zukünftigen Lebensraum gebracht. Wie sie reagieren, wenn sie freigelassen werden ist sehr unterschiedlich.“ erklärt Eva Lüers. „Manche von ihnen laufen aus der Transportkiste und sind sofort weg. Aber es gibt auch Nerze, die bleiben zunächst eine halbe Stunde in der Transportkiste!“

Die Wissenschaftler verfolgen die Routen besenderter Nerze.

Man spürt sofort, was für ein aufregender Moment die Freilassung jedes Mal sein muss. Nach einer zweiwöchigen Eingewöhnungsphase im Freilandgehege wurden die ersten zwei Paare in die Freiheit entlassen. und wurden mit Peilsendern versehen vorsichtig ausgewildert. So konnten die Wissenschaftler verfolgen, wo die Tiere ihre Reviere einrichten, in welchem Umkreis sie sich bewegen und ob Kontakt zu den anderen Nerzen besteht, mit denen er freigelassen wurde und erhielten regelmäßig Informationen über Gesundheit und Fortpflanzung der Tiere.

Die gesammelten Daten zeigen recht bald, dass das Gebiet rund um Niedersachsens größten See erfolgversprechend ist. Weitere Auswilderungen mit insgesamt über 65 Nerzen folgen bis Ende 2013.

kleine Nerze

Erfolg!

Der große Erfolg kam dann im Sommer 2015, als Eva Lührs nach einigen durchwachten Nächten im Sumpf verkünden konnte: „Wir haben Nachwuchs!“ Der Nachweis einer eigenständigen Fortpflanzung ist der letzte Beleg für den Erfolg eines solchen Projektes und beweis, dass sich die Mühe gelohnt hat. So ein Artenschutzprojekt bedeutet viel Aufwand. Absprachen bei den zuständigen Behörden, das Einwerben finanzieller Unterstützung und viele technische Details sind zu beachten. Und noch mehr Energie, Hingabe und Begeisterung, um den Erfolg des Projektes langfristig zu verfolgen.

Dank dem Engagement der Naturschützer der ÖSSM kehrt der kleine Jäger, der einst durch den Menschen in Deutschland ausgerottet wurde, langsam wieder heim.

 

One Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.