Die Sache mit dem Torf

Alljährlich im Frühling heißt es für Hobbygärtner wieder: Buddeln, pflanzen, schneiden. Eines ihrer wichtigsten Utensilien dabei ist die Blumenerde. Den wenigsten ist allerdings bewusst, dass sie mit dem Kauf von Blumenerde in aller Regel den Mooren schaden. Denn der Großteil der angebotenen Erden basiert auf Torf. Und Torf wird aus Hochmooren gewonnen, (in denen der Torf über Jahrhunderte wächst). Die dazu entwässert werden und ihre ökologischen Funktionen als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten nicht mehr erfüllen könneMoor in Handn. Doch es gibt Möglichkeiten, Torf naturschonend zu gewinnen. Eine Firma in Vechta etwa hat einen Weg gefunden.

Schon früh gingen vor allem in Norddeutschland ganze Familien ins Moor, um Torf zu stechen und damit im Winter zu heizen – denn getrockneter Torf ist ein hervorragender Brennstoff, vergleichbar mit Braunkohle. Erst später entdeckte man seinen Wert für den Gartenbau. Angereichert mit Kalk, Salzen und anderen Nährstoffen bildet er ein ideales Kultursubstrat. Doch je breiter der Torf eingesetzt wurde, desto negativer wurden auch die Assoziationen mit dem Begriff „Torfabbau“. Denn dieser nahm überhand, die Moore vertrockneten, viele Tier- und Pflanzenarten gerieten unter Druck. Heute dürfen mittlerweile keine intakten Hochmoore abgebaut werden. Es gibt im Gartenbau jedoch bis heute kaum Alternativen zu Torf als Grundsubstrat.

Die Hersteller von Blumenerden in Deutschland sind heutzutage verpflichtet, auf einen naturschonenden Torfabbau zu achten. Die Firma Gramoflor aus Vechta investiert so viel Energie in die unmittelbare Renaturierung der Moore.

moorfelderAnstatt einfach eine große Fläche Moor auf einmal über mehrere Jahrzehnte zu entwässern und Schicht für Schicht abzutorfen, baut Gramoflor den Torf nur in schmalen Streifen ab. Auf diese Weise kann der abgetorfte Streifen bereits renaturieren, während nebenan der nächste Bereich abgebaut wird. Der Vorteil liegt in zwei Dingen: zum einen vergehen nur weniger Jahre zwischen Trockenlegen und renaturieren, zum anderen ist auf den Nachbarflächen Material vorhanden, das für die Ansiedlung von Moosen etc. verwendet werden kann. So soll zwischen Abbau und Renaturierung des Moores ein fließender Übergang entstehen, welcher überwacht und gefördert wird.

Gramoflor forscht auch nach Alternativen für Torf. Denn eines ist klar: Am besten wäre es, die Moore ganz in Ruhe zu lassen. Es dauert extrem lange, bis ein renaturiertes Moor seinen Torf in voller Mächtigkeit regeneriert hat: die Torfschicht wächst pro Jahr nur ca. einen Millimeter, es dauert also Jahrtausende, bis der einstige Zustand wiederhergestellt ist.

MoorAuch wenn das Verfahren von Gramoflor noch lange nicht die Lösung des Torfproblems darstellt und von einigen Moorexperten ebenfalls als kritisch angesehen wird, macht die Firma Gramoflor damit immerhin einen Schritt in die richtige Richtung.

 

von Lisa L. und Pia A.

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